Personaldienstleistung und die Gig Economy

 Gig DE

 

Personaldienstleister konnten alleine im Jahr 2018 in der Schweiz mehr als 400‘000 Stellensuchenden einen Job vermitteln. Dabei konnte dank Personaldienstleistern 170‘000 Menschen in der Schweiz der Wunsch nach beruflicher Flexibilität geboten werden (swissstaffing, CEO Meeting 09/2019).

Die steigende Gig Economy spielt vor allem für Personaldienstleister eine entscheidende Rolle. Die Digitalisierung und die gesellschaftliche Entwicklung begünstigen die flexible Arbeit. Die Temporär Arbeit via Personaldienstleister bietet in der Schweiz flexible Arbeitsmöglichkeiten in einem klar definierten und fairem Rahmen und bietet somit mehr Sicherheit für den Flexworker.

Die Flexibilität der Arbeit und die neu verteilten Risiken und Herausforderungen für Flexworker und Personaldienstleister sind Inhalt dieses Artikels.

 

Definition: Gig Economy

Das Wort Gig Economy ist ein im 21. Jahrhundert neu geprägtes Wort, bestehend auf dem Wort „Gig“ (engl. für kurzen, temporären Job) und „Economy“ (engl. für Wirtschaft). Die Gig Economy beschreibt demnach einen Arbeitsmarkt, der überwiegend von befristeten Arbeitsverträgen oder freiberuflicher Arbeit im Gegensatz zu Festanstellungen gekennzeichnet ist.

Geprägt wurde dieser Begriff vor allem durch IT Plattformen, die projektbezogenes Arbeiten auf der ganzen Welt zulassen, wie etwa Fiverr, Uber, Eat, AirBnB usw.

 

Herausforderungen für Flexworker

Als Flexworker können alle Mitarbeiter betitelt werden, die flexible Arbeit annehmen. Diese kann in Form von Freiberuflern, Plattformarbeit (etwa UBER) geschehen, temporäre Angestellte, oder Interimsmanagement via Consulting.

 

Vorteile

Flexibilität

Der Vertrag definiert, was genau gemacht werden muss, bzw. welche Aufgaben erfüllt werden müssen. Je nach Vertragsart, kann der Flexworker dann seine Zeiten flexibel aufteilen. Bei einigen Stellenanforderungen ist das durchaus möglich du bietet höchste Flexibilität, bei einigen Stellen ist es jedoch wichtig, dass die Flexworker zu bestimmte Uhrzeiten im Unternehmen sind (z.B.: wegen Produktionszeiten, Team-Meetings usw.).

Flexibilität kann aber nicht nur in Form der Arbeitszeiten verstanden werden, sondern vielmehr auch in Form von freier Arbeitgeberwahl, dem Kennenlernen unterschiedlicher Unternehmen und somit auch unterschiedlicher Strukturen und Anforderungen.

 

Unabhängigkeit

Vor allem junge Menschen, schätze die Unabhängigkeit, sich nicht langfristig an ein Unternehmen binden zu müssen, ohne dabei in Erklär Not bei nächsten Vorstellungsgespräch zu gelangen. Flexworker können dann ganz einfach ihre Position durch „projektbasiert“ oder „temporärer Einsatz“ ergänzen und das Thema der häufige Wechsel ist vom Tisch.

 

Variation

Die Unabhängigkeit steigert die Variation der Aufgaben. Mitarbeiter, die Arbeitserfahrung für unterschiedliche Auftraggeber und Unternehmen sammeln konnten, bieten die heutzutage geforderte Agilität auf dem Arbeitsmarkt. Sie können sich einer neuen Umgebung schnell anpassen und Aufgaben ohne grosse Einarbeitung meistern. Zudem bietet die Branchenerfahrung ihnen guten Input für aktuelle Auftragsgeber, um Projekte oder Prozesse zu optimieren oder voranzubringen.

 

Bezahlung

Die Bezahlung kann als Vor- oder auch Nachteil gesehen werden. Meist erhalten Flexworker stundenbasierte Gehälter, die weitaus attraktiver sind, als die eines internen Mitarbeiters. Projektbasiertes Gehalt bestimmt einen Fixpreis für ein vollbrachtes Projekt, unabhängig von Arbeitsstunden, sondern rein Ergebnisorientiert. Auf der anderen Seite bietet das stundenbasierte Arbeiten ein gewisses Risiko mit sich, da man nie langfristig planen kann. Je mehr Ausbildungen und Zertifikate ein Flexworker verfügt, desto besser ist seine Entlohnung.

Die Bezahlung von Flexworkern verlangt ihnen viel Selbststeuerung ab und kann auch zu mehr Arbeitsstunden führen als bei Festanstellungen.

 

Nachteile

Innerbetriebliche Vorteile

Flexworker profitieren nur in den seltensten Fällen von innerbetrieblichen Vorteilen. Dazu gehören z.B. Equipment wie Laptop etc., das vergünstigte oder bezahlte Essen in der Kantine und und und. Der Flexworker wird in den meisten Fällen wie ein Externer behandelt. Einige Unternehmen gehen dagegen speziell an und möchten die Flexworker durch gemeinsame Treffen besser integrieren. Auch immer mehr Personaldienstleister bietet ihren temporär Angestellten gemeinsame Treffen, damit diese sich besser vernetzen können.

 

Mangelnde Zusammengehörigkeit

Je nach dem, ob der Flexworker ausserhalb eines Unternehmens arbeitet, immer im Unternehmen arbeiten muss oder sich komplett selber organisiert, kann das flexible Arbeiten zur sozialen Exklusion führen. Man arbeitet nicht mehr als Bestandteil eines Teams, sondern erfüllt gegebenenfalls einen Auftrag.

 

Mehr Stress

Wer unregelmässig oder temporär arbeitet, der muss langfristig wirtschaftlich planen. Hierzu gehört viel Disziplin und Langzeitorientierung. Was passiert, wenn ich 3 Monate und mehr keine Anstellung finde? Bin ich durch das RAV abgesichert? Viele Mitarbeiter schätzen die Sicherheit und Stabilität einer Festanstellung und umgehen somit den Stress des finanziellen Ruins.

 

Profit für Unternehmen

Für Unternehmen stellen vorrangig die Vorteile eine attraktive Möglichkeit dar. Ist beispielsweise ein Headcount für Personalkosten nicht genehmigt worden, können durch andere Budgetierungen Personal beschaffen. Die schnellere Skalierbarkeit hilft bei Tätigkeiten, die nur projektbezogen oder eben phasenabhängig (bei klinischen Studien z.B.). Ziele können erreicht werden ohne Mitarbeiterkosten dauerhaft oben zu halten. Zudem bietet die Diversität an externen Mitarbeitern einen Profit für ein Unternehmen. Das vielfältige Know How, das Flexworkerworker bei unterschiedlichen Unternehmen sammeln, können sie bei ihren aktuellen Arbeitgebern einbringen.

 

Herausforderungen für Personaldienstleister

Personaldienstleister stehen vor der neuen Herausforderung, sich den Gegebenheiten der Gig Economy anzupassen und den Bedingungen der Flexworker anzupassen. Konkret bedeutet das für Personaldienstleister, dass sie in ihren Modellen (sei es Arbeitszeiten oder Kommunikationswege) flexibel anpassen müssen. Ein Flexworker möchte nicht mehr den offiziellen Weg über E-Mail und Bewerbungsformulare gehen, sondern kurze und flexible Absprachen über WhatApp oder LinkedIn.

Recruiter müssen sich immer mehr diesen Modellen anpassen und es stellt sich die Frage, ob fest Öffnungszeiten noch Sinn ergeben oder Ergebnisorientiertes Arbeiten die Zukunft des Recruitments darstellt, also ganz gemäss der Gig Economy. Offene und flexible Arbeitsbedingungen bedeuten nicht nur remote Arbeit, aber auch Räumlichkeiten und Büros, die eine offene und teamorientierte Kommunikation zulassen. Finanzielle Boni-Programme fördern die Bereitschaft und den Einsatz für Erfolg und bieten Recruitern somit allen Raum, ihr Talent zu entwickeln du ihre Ideen flexibel umzusetzen.

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