Leiter versus Chef: Welche Kompetenzen benötigen Führungskräfte?

 

DE Leiter vs. Chef

 

Durch immer komplexer werdende Aufgaben sowie das Voranschreiten der Spezialisierung, ergeben sich neu Herausforderungen für Führungskräfte. Früher, vor allem als Kontrollinstitution «Chef» verstanden, hat diese in grossen Teilen der modernen Arbeitswelt ausgedient. Die moderne Führungskraft wird eher als Leiter verstanden, welcher es versteht, die Talente der einzelnen Mitarbeiter bestmöglich zum Wohle der Organisation zu nutzen. Was sind nun aber die Qualitäten, welche die Führungskraft im Jahre 2019 mitbringen muss?

 

Die Führungskraft im Wandel der Zeiten

Aktuelle Umfragen (siehe Travailsuisse)  zeigen, dass die Mitarbeiterzufriedenheit sinkt. Bei einer Umfrage der Karriereberatung Rundstedt gaben 65% der Mitarbeiter an, welche Ihren Job gewechselt haben, dass Sie nicht das Unternehmen, sondern ihren Vorgesetzen verlassen. Damit ist der Chef auf Platz 2 der Kündigungsgründe (Platz 1 sind Überstunden 68%).

Da nicht davon auszugehen ist, dass die Qualität der Führungskräfte im Laufe der Zeit abnimmt, scheint es naheliegend, dass sich die Anforderungen an Führungskräfte geändert haben. Obwohl klassische hierarchische Strukturen immer mehr von einer Selbstbestimmung der Arbeitnehmer abgelöst wird, ist Führungskraft dennoch, oder gerade deswegen, in einer immer wichtiger werdenden Rolle. 

 

Leiter vs. Chef

Was unterscheidet nun den Leiter vom Chef? Während der Chef ein Experte in der Überwachung eines klar definierten Arbeitsschritts ist, fokussiert sich der Leiter eher auf den Prozess im Ganzen. Der Leiter kennt und versteht den Prozess, überlässt jedoch die Umsetzung der einzelnen Arbeitsschritte dem qualifizierten Mitarbeiter. Wichtig ist es hierbei, dass der Leiter den Überblick über das Aufgabengebiet des einzelnen Mitarbeiters behält. Er sorgt dafür, dass Ressourcen der Belegschaft im Ganzen effizient eingesetzt werden, während der Chef nur den einzelnen Mitarbeiter überwacht und vor allem an der Erhaltung seiner Machtposition interessiert ist. Folglich ist die Qualität welchen den Leiter auszeichnet, dass er klare Vorgaben und Ziele formuliert, dem Mitarbeiter bei der Erreichung der Ziele aber freie Hand lässt, während der Chef im Stile des Mikromanagements die einzelnen Arbeitsschritte vorgibt.

Obwohl es weiterhin Situationen gibt (vor allem bei einfachen Routinetätigkeiten) in welchen sich der klassische Chef gut behaupten kann, fordert die moderne Arbeitswelt zunehmend einen modernen Leiter. Durch die zunehmende Komplexität der Arbeitswelt ist es der Führungskraft oft nicht mehr möglich jeden einzelnen Arbeitsschritt zu verstehen, was auch nicht notwendig ist. Vielmehr muss Sie den Prozess als Ganzes durchschauen und dafür sorgen, dass die Fähigkeiten der einzelnen Mitarbeiter bestmöglich den Prozess der Organisation fördern. Dies mit der Handlungsfreiheit des einzelnen Mitarbeiters in Einklang zu bringen, wird die grosse Herausforderung der Führungskraft der Zukunft.

Qualitäten der modernen Führungskraft

Der Diskurs zur modernen Führungskraft wird von zum Teil widersprüchlichen Meinungen dominiert. Einen Versuch die Argumente mit harten empirischen Fakten zu untermauern, stellte Google mit seinem «Project Oxygen» an (Paper zur Studie).

Dabei wurden die 8 wichtigsten Qualitäten erfolgreicher Führungskräfte evaluiert.

  1. Sie hat eine klare Vision und Strategie für das Team: Eine Vision hilft den einzelnen Mitarbeiter zu motivieren und seiner Arbeit als kleines Teil eines grossen Ganzen einen Sinn zu geben. Die Strategie grenzt die Verantwortung des einzelnen Mitarbeiters ein und hilft ihm sich auf seinen Bereich zu fokussieren.
  2. Sie ist ein guter Coach: Hierbei geht es vor allem darum dem Mitarbeiter die Strategie bzw. Vision zu vermitteln. Bei Bedarf muss sie auch fachlich weiterhelfen können.
  3. Sie fördert das eigene Team und setzt nicht auf Mikromanagement: Bei aller fachlicher Führung sollte darauf geachtet werden, die dünne Linie ins Mikromanagement nicht zu überschreiten.
  4. Sie ist sowohl am Erfolg der Teammitglieder interessiert, sorgt sich aber im gleichen Moment um deren Wohlbefinden: Während der Erfolg regelmäßig geprüft und überwacht wird, zeigt oben genannte Studie zur Mitarbeiterzufriedenheit, dass das Wohlbefinden der Mitarbeiter oft nicht im Fokus steht. Probleme entstehen dadurch, wenn kurzfristig Erfolg zu Ungunsten des Wohlbefindens generiert werden muss. Die Qualität einer guten Führungskraft besteht darin kurzfristige gegenüber langfristigen Interessen sorgfältig abzuwägen.
  5. Sie ist produktiv und ergebnisorientiert: Trotz aller Selbstbestimmung der Mitarbeiter gibt es Entscheidungen, welche nur von der Leitung getroffen werden können. Die Notwendigkeit zu diesen Entscheidungen muss schnell erkannt und die Entscheidung getroffen werden. Ergebnisorientiert ist die Führungskraft, wenn sie den Fokus nicht auf den Input des Mitarbeiters, sondern auf den Output legt.
  6. Sie Teilt Informationen mit dem Team und ist stark in der Kommunikation: Ist eine Entscheidung getroffen, muss diese kommuniziert werden. Durch das exponentielle Wachstum von Datenmengen wird es immer wichtiger relevante von belangloser Information zu trennen. Aufgabe der Führungskraft ist es die für die einzelnen Teammitglieder relevante Information zu erkennen und diese verständlich zu vermitteln.
  7. Sie hilft anderen bei der Entwicklung Ihrer Karriere: Eine Führungskraft, welche die Entwicklung ihrer Mitarbeiter im Auge hat, kann ihre Mitarbeiter länger halten und kann aufwendige und teure Fluktuation im Team vermeiden.
  8. Sie besitzt wichtige technische Fertigkeiten, die helfen das Team zu beraten: Zu guter Letzt muss die Führungskraft auch fachlich auf der Höhe sein. Mit zunehmender Komplexität des Umfelds tritt diese Fähigkeit allerdings in den Hintergrund. Wie oben erwähnt, kann eine Führungskraft bei komplexen Tätigkeiten nicht mehr jeden einzelnen Arbeitsschritt beherrschen. Viel wichtiger ist es auf die Fähigkeiten der Mitarbeiter zu vertrauen und diese effizient zu koordinieren.

 

Fazit

Wie wir sehen, macht der Fortschritt auch vor Führungskräften nicht halt. Einerseits fordert dies ein Umdenken bei Führungskräften, um den Übergang vom klassischen Chef zur modernen Führungskraft zu schaffen, andererseits ist auch Geduld beim Team gefordert, wenn dies aufgrund der hohen Komplexität einige Zeit in Anspruch nimmt. Nur durch beiderseitiges Verständnis können die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt bewältigt werden.

 
 
Quellen:
Tran, Sang. (2017). GOOGLE: a reflection of culture, leader, and management. International Journal of Corporate Social Responsibility. 2. 10.1186/s40991-017-0021-0.
Tobias Fritschi, Simonina Kraus, Carmen Steiner & Larissa Luchsinger (BFH) (2019)
Barometer Gute Arbeit“ Qualität der Arbeitsbedingungen aus der Sicht der Arbeitnehmenden – Ergebnisse für die Jahre 2015 bis 2019
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