Generalist oder Spezialist: Wem gehört die Zukunft?

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Eine Frage, welche sich für Personalentscheider sowie Bewerber gleichermassen stellt ist, ob in einer technologisch komplexer werdenden Welt eher Generalisten oder Spezialisten gefragt sind. Einerseits werden Aufgaben immer komplexer, was für den Spezialisten spricht. Andererseits hat Wissen eine immer kürzer werdende Halbwertszeit, was den Spezialisten schnell zu einem Fachidioten in einem nichtmehr relevanten Bereich macht und daher eher für den Generalisten spricht.

 

Der typische Generalist bzw. Spezialist

Obwohl in der Realität weder reine Generalisten noch Spezialisten vorkommen, sollen hier dennoch kurz die beiden Konzepte gegenübergestellt werden. Der Generalist besitzt ein breites Spektrum an Wissen, wobei dieses eher oberflächlich bleibt. Betrachtet man ein klassisches Organigramm, kann er horizontal sehr viele Bereiche abdecken, ist aber nicht spezialisiert genug, um vertikal in die Tiefe zu gehen. Im Gegensatz dazu steht der Spezialist, welcher ein sehr spezialisiertes Wissen besitzt. Er ist in seinem Fachbereich unverzichtbar, kann allerdings nur schwer fachübergreifend eingesetzt werden.

 

Die Generalisten Verzerrung

Welcher diese beiden Typen hat nun auf dem Arbeitsmarkt die besseren Karten? Wang und Murnighan (2012) beschäftigten sich genau mit dieser Fragestellung. In verschiedenen Studien fanden Sie heraus, dass Generalisten gegenüber Spezialisten bevorzugt wurden. Diese Erkenntnis alleine legt nahe, dass wir uns zukünftig eher auf eine generalistische Ausbildung konzentrieren sollten. Dagegen spricht ein anderer Fakt. Gleichzeitig fand die Studie heraus, dass Teams mit vielen Spezialisten eine wesentlich bessere Performance an den Tag legten.

Die Tendenz, sich eher für den Alleskönner als für den herausragenden Fachspezialisten zu entscheiden, könnte in der menschlichen Psychologie begründet liegen. Der Generalist überzeugt durch seinen «runden» Lebenslauf und sein gutes Allgemeinwissen. Da viele Personalentscheider selbst keine Spezialisten auf dem Gebiet sind, für welches Sie rekrutieren, kann der Spezialist seine Stärken zudem nicht gewinnbringend vermitteln.

Eine Lösung dieses Dilemmas könnte sein, Bewerber nicht vergleichend, sondern separat zu bewerten. In einer der Studien zeigte sich, dass Spezialisten stets den Vorrang hatten, wenn verschiedene Individuen in einem Ranking verglichen wurden. Wurde dagegen das einzelne Individuum bezüglich seiner Eignung für die Aufgabe bewertet (Beispielsweise durch eine Punktzahl), zeigte sich, dass hier die Spezialisten besser abschnitten als Generalisten.

 

Der Spezialist der Zukunft

Wie schon oben erwähnt, gibt es in der Realität keine reinen Generalisten bzw. Spezialisten. Letztlich befindet sich jeder in einer Welt, in der die Ressourcen der Wissensaneignung beschränkt sind in einem Trade-Off zwischen spezialisiertem und generellem Wissen. Dabei muss jeder den für sich effizienten Mix finden. Aktuell wird vor allem das Konzept des T-Profils diskutiert. Der horizontale Part sorgt dafür, dass der Mitarbeiter ein breites generelles Wissen besitzt. Dieses soll dabei genau auf seinen bzw. angrenzende Fachbereiche abgestimmt sein. Zusätzlich dazu hat er in mindestem einen Bereich spezialisiertes Fachwissen erworben. Dafür steht der senkrechte Part.

 

Zusammenfassung

Es hat sich gezeigt, dass in der Realität meist Generalisten den Vorzug vor Spezialisten bekommen, obwohl Teams mit hohem Anteil an Spezialisten die bessere Performance zeigten. Die Lösung besteht darin, Bewerber einzeln und nicht vergleichend zu bewerten. Zudem ist ein guter Mix aus beiden Profilen mit einem hohen Anteil an T-Profilen der Schlüssel zum Erfolg.

 

 

Quellen:
Long Wang & J. Keith Murnighan, (2012). The generalist bias [Abstract]. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 120 (1), 47-61.
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