Führt mehr Geld wirklich auch zu mehr Wohlbefinden?

 

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Wohlbefinden

Es gibt zwei gängige Konstrukte, die das Wohlbefinden beschreiben: Einmal das subjektive Wohlbefinden (Diener, 1984) und das psychologische Wohlbefinden (Ryff, 2014).

Diener (1984) beschreibt das subjektive Wohlbefinden, indem er zwischen kognitivem und affektivem Wohlbefinden unterscheidet. Das kognitive Wohlbefinden ist zeitüberdauernd und meint beispielsweise eine allgemeine Lebenszufriedenheit oder aber eine Bereichszufriedenheit (im Job oder in der Familie). Dieses kognitive Wohlbefinden kann jedoch durch kurzzeitige Affekte gestört oder gefördert werden – positiv oder negativ gleichermassen.

Ryff (2014) hingegen beschreibt das psychologische Wohlbefinden bestehend aus folgenden Schlüsselkomponenten:

  1. Autonomie
  2. Umwelt Bewältigung
  3. Persönliches Wachstum
  4. Positive Beziehungen
  5. Lebenssinn
  6. Selbst-Akzeptanz

An dieser Stelle kann bereits gezeigt werden, dass Geld an sich keine Komponente des subjektiven oder psychologischen Wohlbefindens darstellt.

 

Geld und Lebenszufriedenheit

Obwohl Geld keine separate Komponente des Wohlbefindens darstellt, ist Geld trotzdem ein sehr wichtiger Faktor, wenn es um das Wohlbefinden beziehungsweise die Lebenszufriedenheit geht.

Die Aspiration Theory von Easterlin (2001) zeigt, dass Menschen glücklicher sind, je höher ihr Einkommen ist. Über den Lebensverlauf jedoch steigt das Einkommen von Personen, nicht jedoch ihre Lebenszufriedenheit. Wie kann das sein?

Die Lebenszufriedenheit ist nicht von der absoluten Höhe des Merkmals Geld abhängig. Entscheidend sind hingegen die persönlichen Erwartungen versus der tatsächlichen Verhältnisse. Wenn also die persönlichen Erwartungen der Personen hinsichtlich ihres Gehalts tatsächlich getroffen werden, dann ist ihre Lebenszufriedenheit hoch. Unzufriedenheit jedoch entsteht, wenn die persönlichen Erwartungen des Einkommens höher sind als die tatsächlichen Verhältnisse.

Externe Faktoren beeinflussen die Lebenszufriedenheit somit nur begrenzt.

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Fazit

Es stimmt tatsächlich, dass Menschen glücklicher sind, wenn ihr Einkommen höher ist. Betrachtet man das Ganze jedoch aus der Perspektive der Lebensspanne, so wird deutlich, dass die Zufriedenheit trotz ansteigendem Einkommen stabil bleibt, da die Erwartung proportional zum Einkommen steigt und es so zu einem Gewöhnungseffekt kommt.

Geld ist somit nicht alles, wenn auch ein wichtiger Teil unseres Glücks und so lohnt es sich definitiv andere Bereiche unseres Lebens zu betrachten, um eine generelle Lebenszufriedenheit zu schaffen.

 

«Geld besteht aus Zahlen, Zahlen sind unendlich. Wer Geld braucht, um glücklich zu sein, dessen Suche nach Glück wird unendlich sein.»

 

Diener, E. (1984). Subjective well-being. Psychological Bulletin, 95(3), 542-575.
Easterlin, R. A. (2001). Income And Happiness: Toward A Unified Theory. The Economic Journal, July (111), 465–484.
Ryff, C. D. (2014). Psychological Well-Being Revisited: Advances in Science and Practice. Psychother Psychosom, 83(1), 10–28.
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